Die 20-jährige Kenyanerin Helen Musyoka siegte im GP Bern. Sie läuft erst seit einem Jahr Rennen,
misst 1,47 m und wiegt 37 kg.

Nur 18 der 9812 Männer, welche die 10-Meilen-Distanz (16,09 km) am GP Bern bewältigten, schafften dies schneller
als Hellen Musyoka. 54:27 Minuten benötigte die 20-Jährige aus Kenya. Und damit realisierte die Frauensiegerin
trotz hoher Temperatur und Wind eine beachtliche Marke: die siebtbeste Zeit in der 25-jährigen GP-Geschichte.
Vor ihr in der Allzeit-Bestenliste finden sich grosse Namen, etwa Marlene Renders (Bel), Lornah Kiplagat (Ho)
oder Katrin Dörre (D).
Der Besuch im Schuhgeschäft
Die Geschichte der unbekannten Hellen Musyoka liest sich, wie sie nur in Afrika geschrieben werden kann.
Vor gut zwei Wochen reiste die Newcomerin in einer Gruppe um den aus Uster stammenden und nach Kenya ausgewanderten
Peter Pfister erstmals nach Europa. Der Stadtlauf von Luzern (4. Platz) und der GP Bern bildeten den Grund.
Wettkampfschuhe für die Strasse führte sie keine mit im Gepäck. Also begab sich Manager Pfister mit ihr ins
Fachgeschäft von Ryffel Running in Niederuster. Und alle staunten. Der 1,47 m kleinen und 37 kg leichten
Athletin passte Schuhnummer 34, doch die gibt es nicht im Sortiment der Frauen. Gefunden wurde ein passendes
Kindermodell. Siegschuhe wurden es.
Hellen Musyoka stammt aus dem kenyanischen Hochland. Im Gegensatz aber zum überwiegenden Teil der grossen Zahl
exzellenter Läuferinnen und Läufer nennt sie nicht die Region um Eldoret ihre Herkunft.
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Sie stammt aus dem weniger hoch gelegenen Machakos im Osten der Hauptstadt Nairobi. Seit den drei Siegen
von Cosmas Ndeti beim legendären Boston Marathon von 1993 bis 1995 hat das Laufvirus auch diese Gegend
erfasst. Ein Weg, um aus der Armut herauszufinden, ist auch hier der Hauptantrieb.
Auch bei Hellen Musyoka. Sie läuft in einem Camp, dem rund 20 Läuferinnen und 15 Läufer angehören. Ernsthaft
begonnen hatte sie erst vor gut einem Jahr. Doch schon in diesem Winter sorgte sie für Furore. An der nationalen
Cross-Meisterschaft wurde sie einzig von Gastläuferin Lornah Kiplagat geschlagen – von der mittlerweile zur
Cross-Weltmeisterin avancierten ehemaligen Siegerin des GP Bern, die nicht mehr für Kenya, sondern für Holland
startet. Die WM im eigenen Land verpasste sie indes wegen Fussproblemen; eine Gegnerin war ihr an den Trials
mit den Spikes auf die Ferse getreten. Das führte zu einer Entzündung, nicht zuletzt darum, da sie der Verband
gezwungen hatte, fortan in Schuhen zu laufen.
Die Freude an Kugelschreibern
Keine zehn Crossrennen – alle barfuss –, ein Halbmarathon und die beiden Rennen in der Schweiz hat Hellen Musyoka
bestritten. Um ein Juwel handelt es sich, da sind sich Beobachter einig. In den nächsten Wochen wird es darum
gehen, mittel- und längerfristige Ziele zu stecken. Die African Games und allenfalls die WM stehen zur
Disposition. Sie kümmerte dies wenig. Vielmehr freute sie sich an den zahlreichen Kugelschreibern, die im
Presseraum nach der Medienkonferenz liegen blieben. Mit ihren Kolleginnen sammelte sie diese zusammen, um sie
heimzubringen.
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